BPLS nach Schädel-Hirn-Trauma: Viele Fälle bleiben ohne Screening unentdeckt

Für Fachpersonal:

Ein benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS) kann nach einem Schädel-Hirn-Trauma auftreten. Eine aktuelle Studie zeigt: In einer stationären Rehastichprobe war BPLS häufig – und wurde über die Anamnese allein oft nicht erkannt.

📄 Ho ACY, Wee SK. Symptomatic and Asymptomatic Benign Paroxysmal Positional Vertigo Identified During Inpatient Traumatic Brain Injury Rehabilitation. J Head Trauma Rehabil. 2026.

Originalstudie auf PubMed

Was wurde untersucht?

119 Erwachsene nach Schädel-Hirn-Trauma wurden im Rahmen einer stationären neurologischen Rehabilitation auf BPLS gescreent.

Bei 109 Personen war eine zuverlässige Untersuchung möglich. Wichtig: Die Lagerungsdiagnostik wurde unabhängig davon durchgeführt, ob zuvor Schwindel angegeben wurde.

Fast jede zweite untersuchte Person hatte BPLS

Bei 49 von 109 Patient:innen wurde ein BPLS diagnostiziert.

Das entspricht 45 % der untersuchten Reha-Stichprobe.

Am häufigsten betroffen waren:

  • posteriorer Bogengang: 65,3 %
  • horizontaler Bogengang: 22,4 %
  • mehrere Bogengänge: 12,2 %

Viele berichteten vorher keinen Schwindel

Besonders interessant: Nur 19 der 49 BPLS-Patient:innen hatten vor der Untersuchung Schwindel angegeben.

Weitere 13 bemerkten Beschwerden erst während der Lagerungsprüfung. Neun zeigten einen typischen Lagerungsnystagmus, berichteten dabei aber keinen subjektiven Vertigo.

Das zeigt: BPLS kann nach einem Schädel-Hirn-Trauma vorhanden sein, auch wenn typische Schwindelbeschwerden in der Anamnese fehlen.

Behandlung meist erfolgreich

Die Repositionsmanöver waren bei 95,9 % der Betroffenen erfolgreich.

Bei 73,5 % reichte bereits eine Behandlungssitzung aus.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Ergebnisse sprechen dafür, sich nach einem Schädel-Hirn-Trauma nicht ausschließlich auf die Schwindelanamnese zu verlassen.

Gerade in der stationären Rehabilitation kann eine systematische Lagerungsdiagnostik dabei helfen, behandelbare BPLS-Fälle zu erkennen, die sonst möglicherweise übersehen würden.

Wichtig

Die 45 % gelten nicht für alle Menschen nach einem Schädel-Hirn-Trauma.

Untersucht wurde eine selektierte Population in einer stationären neurologischen Rehabilitation. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht direkt auf alle Patient:innen nach SHT oder Gehirnerschütterung übertragen.

Fazit

BPLS kam in dieser stationären SHT-Stichprobe häufig vor und war oft nicht durch die Anamnese erkennbar.

Gleichzeitig ließ sich der BPLS bei fast allen Betroffenen erfolgreich behandeln.

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Für Patientinnen – einfach erklärt

Lagerungsschwindel nach Schädel-Hirn-Trauma

Nach einem Schädel-Hirn-Trauma kann ein benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS) auftreten. Typisch sind kurze Schwindelattacken bei bestimmten Kopfbewegungen, zum Beispiel beim Hinlegen, Aufstehen oder Drehen im Bett.

Eine aktuelle Studie zeigt: Nicht alle Betroffenen berichten vorher über Schwindel.

Quelle

Ho ACY, Wee SK. Symptomatic and Asymptomatic Benign Paroxysmal Positional Vertigo Identified During Inpatient Traumatic Brain Injury Rehabilitation. J Head Trauma Rehabil. 2026.

Was zeigte die Studie?

In einer stationären Reha wurden 109 Patient:innen nach Schädel-Hirn-Trauma zuverlässig untersucht.

Bei 49 Personen – also 45 % – wurde ein BPLS festgestellt.

Aber: Nur 19 dieser 49 Personen hatten vorher Schwindel angegeben.

Einige bemerkten Beschwerden erst während der Untersuchung. Andere zeigten typische Augenbewegungen für BPLS, ohne selbst deutlichen Schwindel zu verspüren.

Die gute Nachricht

BPLS lässt sich häufig sehr gut behandeln.

In der Studie waren Repositionsmanöver bei 95,9 % der Betroffenen erfolgreich. Bei fast 3/4 genügte bereits eine Behandlungssitzung.

Wichtig

Die 45 % bedeuten nicht, dass fast jeder zweite Mensch nach einem Schädel-Hirn-Trauma BPLS bekommt.

Untersucht wurde eine spezielle Gruppe von Patient:innen in einer stationären neurologischen Rehabilitation. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht auf alle Menschen nach einem Schädel-Hirn-Trauma übertragen.

Fazit

Lagerungsschwindel kann nach einem Schädel-Hirn-Trauma vorhanden sein, auch wenn vorher kein typischer Schwindel angegeben wird.

Eine gezielte Untersuchung kann helfen, behandelbare Ursachen zu erkennen

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